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Thema: Geopark / Naturpark Sitia
H. Eikamp

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RE: Geopark / Naturpark Sitia 03.11.2016 17:08 Forum: Geologie / Paläontologie


Ferner teilte er mit: komme gerade von einer Woche Ostkreta zurück (Petras Beach Hotel bei Sitia), um für Mai 2017 wieder meine Gruppenwandertour vorzubereiten.
Hier hat beeindruckt der recht neu eingerichtete Geopark/Naturpark Sitia (www.sitia-geopark.gr/en.aspx ). Für griechische oder kretische Verhältnisse gut ausgeschildert und erschlossen mit Wegweisern und Erläuterungstafeln.
Die Website und eine Broschüre dazu in Englisch (www.sitia-geopark.gr/media/24732/Odigo_%...rkou_Sitias.pdf ) sind informativ, auch der Videoclip (auf griechisch) von 23 Min. auf youtube: www.youtube.com/watch?v=Vb7NVDwGZy4 . Unter www.sitia-geopark.gr/media/7941/Georoutes_total.kml lassen sich die Georouten zur Darstellung auf google earth (kml) runterladen und nach gpx konvertiert auf das Outdoorgerät (Garmin) laden. Die Tracks sind erkennbar vor Ort von Hand aufgenommen und mithin sehr genau!
Großes Lob den Akteuren ebendort!
Eine lohnenswerte Tour und Schlucht ist die Koudoumi-Schlucht, die von der Hauptstraße zwischen Sfaka und Tourloti die Berge hinauf führt für ca. 6,5 km, um in der Alm Monokara anzukommen.
Der Weg zurück Richtung Sfaka führte uns über eine alte Pflasterstrecke mit Dutzenden Serpentinen im Zickzack bergab bis ins Dorf, die leider zuwächst und in der Unterhaltung aufgegeben ist.
Der E4 zwischen Ziros und Ano Zakros (12 km) ist eindrucksvoll zu gehen. Details zu Aspekten am Weg findet man kaum auf google earth, wohl aber z.B. unter https://www.geocaching.com/geocache/GC2TEN5_skalia-e4-ctc .
Auch die Koudoumi-Schlucht haben wir auf diese Weise überhaupt entdeckt, dort sind einige Caches versteckt, u.a. https://www.geocaching.com/geocache/GC654FP_01-sfaka-gorge .
Besonders schön sind bei Itanos die Glimmerschiefer zu sehen, wie sie als Schmiere zwischen den Karbonatdecken zerschert und gefaltet (s. Foto) sind.
Beste Grüße euch nach Hessen,
Firouz
Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg e.V.
Dipl.-Geol. Firouz Vladi
Düna 9a, 37520 Osterode am Harz
Thema: Geopark / Naturpark Sitia
H. Eikamp

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Geopark / Naturpark Sitia 03.11.2016 17:02 Forum: Geologie / Paläontologie


Ein Forumsteilnehmer sandte und interessante Infos und Links zum Startbeitrag, die wir gerne weitergeben:
Hallo,
Diese 600 S.-Arbeit von 2013 dürfte Sie bestimmt interessieren! Sie geht neben den archäologischen und baukunsthistorischen Aspekten ein auf die Chemie von Gips-Hemihydrat-Anhydrit, Verwitterungsverhalten und die regionale Geologie messinischer und permischer Gipse Kretas; http://discovery.ucl.ac.uk/1444368/1/U591671.pdf
Thema: Vögel in der griechischen Antike
H. Eikamp

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Vögel in der griechischen Antike 10.10.2016 16:14 Forum: Tiere


Eine Interessante Arbeit (Diss.) zum Thema finden Sie unter: [ http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/vollt...Diss_Voegel.pdf ].
Thema: Ausstellung über Wölfe in Karlsruhe
H. Eikamp

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Ausstellung über Wölfe in Karlsruhe 06.10.2016 14:09 Forum: Tiere


Ab Heute findet im Naturkunde Museum in Karlsruhe eine Ausstellung über Wölfe statt. Näheres dazu finden Sie in den angefügten pdf-Dateien.
Thema: Höhlen und Schluchten im Bezirk Viannos
H. Eikamp

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Höhlen und Schluchten im Bezirk Viannos 04.10.2016 17:53 Forum: Höhlen


Die angefügten Dateien zeigen das Deckblatt und das Impressum zum Thema. Die Broschüre können wir uneingeschränkt empfehlen!
Wir haben sie in der Schriftenauslage in der Kapelle von Amiras gekauft; Preis 5 €.
Eine wirklich Bereicherung der regionalen Literatur.
Thema: Geopark Sitia
H. Eikamp

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RE: Geopark Sitia 03.10.2016 10:56 Forum: Touren / Exkursionen


Siehe dazu auch: Geoparks auf Kreta
Thema: Geopark Sitia
H. Eikamp

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Geopark Sitia 03.10.2016 09:04 Forum: Touren / Exkursionen


Von einem Forumsbesucher erhielten wir nachfolgende Mitteilung zum Geopark Sitia, die wir gerne an unsere Leser weitergeben:

Hallo und kalispera sas,

komme gerade von einer Woche Ostkreta zurück (Petras Beach Hotel bei Sitia), um für Mai 2017 wieder meine Gruppenwandertour vorzubereiten.

Hier hat beeindruckt der recht neu eingerichtete Geopark/Naturpark Sitia (www.sitia-geopark.gr/en.aspx ). Für griechische oder kretische Verhältnisse gut ausgeschildert und erschlossen mit Wegweisern und Erläuterungstafeln.

Die Website und eine Broschüre dazu in Englisch ( www.sitia-geopark.gr/media/24732/Odigo_%...rkou_Sitias.pdf ) sind informativ, auch der Videoclip (auf griechisch) von 23 Min. auf youtube: www.youtube.com/watch?v=Vb7NVDwGZy4 . Unter www.sitia-geopark.gr/media/7941/Georoutes_total.kml lassen sich die Georouten zur Darstellung auf google earth (kml) runterladen und nach gpx konvertiert auf das Outdoorgerät (Garmin) laden. Die Tracks sind erkennbar vor Ort von Hand aufgenommen und mithin sehr genau! Großes Lob den Akteuren ebendort!

Vielleicht habe ich es im www.kreta-umweltforum.de übersehen, meine aber, zu dem Geopark und der Website keinen Hinweis gefunden zu haben.

Auf dem Boulevard in Sitia gibt es dazu ein eigenes kleines Infocenter, das aber die letzten Tage nicht besetzt gewesen schien.

Eine lohnenswerte Tour und Schlucht ist die Koudoumi-Schlucht, die von der Hauptstraße zwischen Sfaka und Tourloti die Berge hinauf führt für ca. 6,5 km, um in der Alm Monokara anzukommen.

Der Weg zurück Richtung Sfaka führte uns über eine alte Pflasterstrecke mit Dutzenden Serpentinen im Zickzack bergab bis ins Dorf, die leider zuwächst und in der Unterhaltung aufgegeben ist.

Der E4 zwischen Ziros und Ano Zakros (12 km) ist eindrucksvoll zu gehen. Details zu Aspekten am Weg findet man kaum auf google earth, wohl aber z.B. unter https://www.geocaching.com/geocache/GC2TEN5_skalia-e4-ctc .

Auch die Koudoumi-Schlucht haben wir auf diese Weise überhaupt entdeckt, dort sind einige Caches versteckt, u.a. https://www.geocaching.com/geocache/GC654FP_01-sfaka-gorge .

Besonders schön sind bei Itanos die Glimmerschiefer zu sehen, wie sie als Schmiere zwischen den Karbonatdecken zerschert und gefaltet (s. Foto) sind.

Beste Grüße euch nach Hessen,

Firouz

Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg e.V.

Dipl.-Geol. Firouz Vladi
Düna 9a, 37520 Osterode am Harz

T (05522) 71036, 0171-375 2105
Thema: Riese mit dem Mund eines Peniswurms
H. Eikamp

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Riese mit dem Mund eines Peniswurms 27.09.2016 07:14 Forum: Geologie / Paläontologie


Rätselhaftes Fossil entpuppt sich als Vorfahre heutiger Gliederfüßer
Runder Mund mit Zahnkranz: Forscher haben endlich das Rätsel um ein bizarres Fossil aus China gelöst. Das konservierte Mundwerkzeug mit mehreren Ringen aus Zähnen ist demnach mit einem frühen Vorfahren moderner Gliederfüßer verwandt. Das Urtier wurde mindestens einen Meter lang und schwamm vor rund 500 Millionen Jahren durch die Ozeane. Doch schon damals war es nicht das einzige Lebewesen mit einem so seltsam geformten Maul.

Mehr dazu lesen Sioe unter: [ http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20663-2016-09-27.html ].
Thema: Der Truthahn unter den Dinos
H. Eikamp

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Der Truthahn unter den Dinos 15.09.2016 14:36 Forum: Fossilien / Fundstellen


Ein internationales Team um den Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Gerald Mayr hat die Weichteilstrukturen eines außergewöhnlich gut erhaltenen Fossils des kreidezeitlichen Dinosauriers Psittacosaurus untersucht. Mittels einer neuen Technik konnten die Forscher um den Frankfurter Ornithologen bisher unbekannte Details der Schwanzborsten dieses kleinen Dinosauriers beschreiben. Erstmalig werden diese Hautstrukturen mit dem Truthahn-„Bart“ und anderen borstenartigen Bildungen heutiger Vögel verglichen und als evolutionäre Vorgänger moderner Federn identifiziert. Außerdem zeigen die Wissenschaftler, dass die Oberseite des Dinosauriers dunkler gefärbt war, als dessen Unterseite und interpretieren dies als Tarnfärbung in geschlossenen Habitaten. Die zugehörigen Studien sind in den Fachjournalen „Palaeontology“ und „Current Biology“ erschienen.

Das wohl auffälligste Merkmal des im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt ausgestellten und aus China stammenden Psittacosaurus-Fossils sind dessen lange, borstenartige Strukturen am Schwanz. „Wir haben uns dieses Detail nun mit einer neuen Methode – der Laser-stimulierten Fluoreszenz – genauer angeschaut“, erklärt Dr. Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungsinstitut und fährt fort: „Unsere Untersuchungen zeigen klar, dass es sich bei den Borsten um Hautstrukturen handelt.“

In der im Fachjournal „Palaeontology“ erschienen Studie vergleichen Mayr und seine Kollegen diese Anhänge mit dem borstenartigen „Bart“ an der Brust heutiger Truthähne und dem Stirnhorn von Wehrvögeln, einer ursprünglichen Gruppe der Gänsevögel. „Bisher wurde kontrovers diskutiert, ob die Borsten des Psittacosaurus mit heutigen Federn zu vergleichen sind. Der Vergleich mit den Truthahn-Borsten zeigt, dass die fossilen Hautanhänge als evolutionäre Vorläufer von Federn gesehen werden können“, ergänzt Mayr.

Dies ist im Falle von Psittacosaurus eine echte Überraschung. „Auch wenn in den letzten Jahren zahlreiche befiederte Saurier aus China beschrieben wurden, sind Psittacosaurier nur sehr entfernt mit den heutigen Vögeln verwandt“, erläutert der Frankfurter Ornithologe.
Mittels der Fluoreszenz-Aufnahmen konnten Mayr und seine Kollegen zeigen, dass die Borsten in Bündeln aus 3 bis 6 einzelnen Borsten auftraten. Da der Schwanzbereich nur teilweise mit den Borsten bedeckt war, gehen die Forscher davon aus, dass diese keine wärmeisolierende Funktion hatten, wie das bei anderen Saurierarten der Fall war. „Vielmehr vermuten wir, dass die Saurier die Borsten zur Kommunikation, zum Beispiel bei der Balz einsetzten“, fügt Mayr hinzu.

In einer weiteren, gerade in „Current Biology“ erschienenen Studie werden zusätzliche Merkmale der hervorragend erhaltenen Haut des knapp zwei Meter langen Sauriers beschrieben: Das Tier war an der Oberseite dunkler gefärbt, als an der Unterseite. Das Wissenschaftlerteam vermutet, dass diese Färbung zur Tarnung der Tiere diente. „Wir haben anhand unserer Untersuchung der Pigmentverteilung in der Haut ein Modell von Psittacosaurus angefertigt und dieses verschiedenen Lichtverhältnissen ausgesetzt. So konnten wir zeigen, dass sich diese Saurierart besonders gut in geschlossenen Waldgebieten tarnen konnten“, erklärt Mayr und resümiert: „Wir gehen daher davon aus, dass dies auch der bevorzugte Lebensraum von Psittacosaurus war.“

Abb.: Modell des untersuchten Dinosauriers ausder Kreidezeit. Deutlich zu erkennen sinddie langen Schwanzborsten und die Färbung. © Jakob Vinther/Robert Nicholls
Thema: Flucht in die Höhe: Bodenameisen erklimmen Baumwipfel
H. Eikamp

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Flucht in die Höhe: Bodenameisen erklimmen Baumwipfel 15.09.2016 09:36 Forum: Tiere


Senckenberg-Wissenschaftler haben erstmalig nachgewiesen, dass bodenbewohnende Ameisen ihre Nester auf der Suche nach Wärme in die Höhe verlagern. Sie fanden mehrere Ameisennester der Schmalbrustmeise Temnothorax saxonicus in Bäumen von Dresdner Parkanlagen und konnten zeigen, dass niedrige Bodentemperaturen zu dem ungewöhnlichen Verhalten der Insekten führten. Die Studie ist kürzlich im Fachjournal „Insect Science“ erschienen.

Kaum jemand würde wohl die Ameise als „Königin der Tiere“ bezeichnen – dabei haben sich die sechsbeinigen Tiere in den 100 Millionen Jahren ihrer Evolution an die verschiedensten Lebensräume rund um den Globus angepasst und dabei eine Vielzahl von beeindruckenden Überlebensstrategien entwickelt. „So ist es auch bei der von uns untersuchten Ameisenart Temnothorax saxonicus“, erklärt Dr. Bernhard Seifert vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und fährt fort: „Wir haben erstmalig nachgewiesen, dass diese typischerweise an der Bodenoberfläche nistende Art ihre Nester in Baumwipfeln baut, wenn es ihnen am Boden zu kühl wird.“
Die kleine Ameise ist in Europa gut dokumentiert – an über 40 Orten in Zentraleuropa wurden Nester der zwei bis drei Millimeter großen Krabbler gefunden. „Aber an allen Lokalitäten befinden sich die Nester der Ameisen in lichten, wärmegetönten Wäldern oder Waldsäumen auf dem Boden“, ergänzt Seifert. Der Görlitzer Ameisenforscher vermutete schon länger, dass sinkende Bodentemperaturen zu einer Verlagerung der Nester von Temnothorax saxonicus führen könnten. Der Beweis hierfür konnte nun durch großen (körperlichen) Einsatz erbracht werden: Patrik Fiedler, Koautor der Studie und Wissenschaftler an der Universität Dresden absolvierte für diesen Zweck einen Baumkletter-Kurs, um auf die Suche nach den Ameisennestern zu gehen. „So konnten wir sowohl im ‚Großen Garten Dresden’ als auch im ‚Schlosspark von Pillnitz’ Nester genau diese Ameisen in den Baumwipfeln alter Eichen nachweisen“, freut sich Seifert.

Eine von Seifert entwickelte Temperaturmessungsmethode schafft die Voraussetzung, das ungewöhnliche Verhalten der Ameisen zu erklären: An allen Standorten mit Nestern in den Baumkronen lag die Bodentemperatur deutlich unter denen von Lokalitäten, an denen die Ameisen am Boden ihren Nachwuchs aufzogen. „Die von uns untersuchte Art lebt in relativ kleinen Kolonien mit 50 bis 300 Arbeiterinnen und benötigt für die Aufzucht der Jungtiere idealerweise Temperaturen, die im Tagesverlauf zwischen 15 und 32 Grad schwanken“, erläutert Seifert. In den untersuchten Parkanlagen lagen die maximalen, oberflächlichen Bodentemperaturen im Schnitt unter 20 Grad und variierten zudem nur wenig. Seifert fügt hinzu: "Das dichte Kronendach am Fundpunkt im ‚Großen Garten’ bzw. die immer noch weitgehend geschlossenen Baumkronen im Zusammenspiel mit einer stärker entwickelten Krautschicht im ‚Pillnitzer Park’ verhindern, dass wärmende Sonnenstrahlen die Bodenoberfläche erreichen."

Die Flucht in die Höhe – mit der Möglichkeit überhaupt noch Nachwuchs aufzuziehen – hat aber auch ihren Preis: Die Ameisen bewegten sich genau in einen Raum hinein, in dem die Konkurrenz um Nahrung und Wohnraum weit härter als am Waldboden ist. In den Baumwipfeln haben die zwei nahe verwandten Schmalbrustameisen Temnothorax affinis und Temnothorax corticalis als „professionelle“ Baumkronenbesiedler ihren angestammten Lebensraum. Auch die Aktivität der Fressfeinde dieser kleinen Temnothorax-Ameisen, wie Kleinspecht, Buntspecht oder ameisenfressende Spinnen, ist in den Baumkronen eher höher als am Boden. Dennoch zeigt die Zahl der beobachteten Neuansiedler, dass diese sich durchaus gegen die Ureinwohner des Lebensraumes behaupten können. „Es ist immer wieder interessant wie Arten im Daseinskampf Vor- und Nachteile abwägen – wir sind gespannt, was sich diese kleinen Ameisen weiterhin einfallen lassen“, resümiert Seifert.

Abb.: Die Schmalbrustmeise Temnothorax saxonicus
ist nur drei Millimeter lang. © Senckenberg/Seifert

Abb.: Der winzige Nesteingang am Ende eines toten Eichenzweiges. © Senckenberg/Seifert
Thema: Wärmeres Mittelmeer – mehr Hochwasser bei uns
H. Eikamp

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Wärmeres Mittelmeer – mehr Hochwasser bei uns 14.09.2016 08:56 Forum: Umwelt- / Naturschutz


Klimawandel verstärkt regenreiche Vb-Wetterlagen in Mitteleuropa

Fatale Fernwirkung: Das durch den Klimawandel aufgeheizte Mittelmeer ist schuld an häufigeren Starkregen und Jahrhundert-Hochwassern in Mitteleuropa. Denn die von Süden heranziehenden Tiefdruckgebiete "tanken" über dem warmen Mittelmeerwasser mehr Feuchtigkeit – und regnen sie dann bei uns ab. Die berüchtigten, regenreichen Vb-Wetterlagen über Mitteleuropa haben sich dadurch um 17 Prozent verstärkt, wie Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten.

Sie gelten als verheerende Regenbringer: Wenn Tiefdruckgebiete aus dem Süden über Mitteleuropa hereinziehen, dann drohen oft Starkregen und Hochwasser. Denn die Luftmassen dieser sogenannten Vb-Wetterlagen haben über dem Mittelmeer viel Wasserdampf aufgenommen – und dieser fällt dann bei uns als sintflutartiger Regen. Auf das Konto solcher Tiefdruckgebiete gehen unter anderem die Jahrhundert-Hochwasser in den Jahren 2002, 2010 und 2013.

Klimatische Widersprüche
Ob und wie sehr diese Starkregenfälle und Überschwemmungen häufiger geworden sind, dazu gab es bisher widersprüchliche Daten. Denn den Klimamodellen nach müssten die Vb-Wetterlagen, die Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeer zu uns führen, sogar eher seltener werden. Dennoch sprechen die häufigen Hochwasser der letzten Jahre eher für eine Verstärkung dieser Wetterextreme.
Um diese Widersprüche zu klären, haben Claudia Volosciuk vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel gezielt den Einfluss des Mittelmeeres auf die regenreichen Vb-Wetterlagen untersucht. Denn seine Wassertemperaturen haben sich in den letzten Jahrzehnten überproportional stark erhöht. Dafür werteten sie Wetterdaten aus und nutzen Klimamodelle, um Luftmassenbewegungen und Regenfälle der Zeit von 1970 bis 2012 nachzubilden.

"Tankstelle" Mittelmeer
Und tatsächlich: Die Forscher entdeckten einen direkten Zusammenhang zwischen den Wassertemperaturen im Mittelmeer und der Heftigkeit der Regenfälle aus den von dort nach Mitteleuropa ziehenden Tiefdruckgebieten. Vor allem die höhere Verdunstung über dem westlichen Mittelmeer erwies sich dabei als "Brutstätte" für die regenschwangeren Luftmassen.

"Die zusätzliche Feuchtigkeit wird von den Vb-Zyklonen nach Mitteleuropa transportiert und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass es im Zusammenhang mit den Vb-Zyklonen zu höheren Niederschlagsmengen kommt", berichtet Koautor Mojib Latif vom GEOMAR. Das wiederum fördert Überschwemmungen und "Jahrhundert-Hochwasser".

Um 17 Prozent verstärkt
Wie die Analysen ergaben, hat sich die Intensität der Starkregenfälle gegenüber der Zeit von 1970 bis 1999 bereits um 17 Prozent erhöht. Besonders betroffen ist von den stärkeren Regenfällen der Südosten Mitteleuropas und damit die Länder entlang der Donau. Am wenigsten bekommt die Verstärkung der Nordosten Deutschlands zu spüren – allerdings kommt das Wasser über die Flüsse auch dort an und löst Überschwemmungen aus.

Für die Zukunft sagen die Klimaforscher wenig Besserung voraus – eher im Gegenteil. Denn durch den Klimawandel werden die Wassertemperaturen des Mittelmeeres weiter ansteigen – und damit "tanken" die Tiefdruckgebiete dort immer mehr Feuchtigkeit. "Dies könnte die Starkregenfälle in Zentraleuropa weiter intensivieren und damit Überschwemmungen noch größere Schäden verursachen lassen", sagt Volosciuk. (Scientific Reports, 2016; doi: 10.1038/srep32450)

(GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, 12.09.2016 - NPO)

Abb.: Überschwemmungen an der Mulde beim "Jahrhundert-Hochwasser" im Juni 2013 - an solchen Starkregenfällen ist das MIttelmeer mitschuld. © UFZ / André Künzelmann
Thema: Kapelle im Ahrtal und das ursprüngliche Patronat auf Kreta
H. Eikamp

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Kapelle im Ahrtal und das ursprüngliche Patronat auf Kreta 13.09.2016 20:03 Forum: Klöster / Kirchen


Zu den beiden Merkblättern:
http://www.kreta-umweltforum.de/Merkblae...auenkapelle.pdf und http://www.kreta-umweltforum.de/Merkblae...20-%20Lappa.pdf
siehe auch die angefügte pdf.
Thema: Blühende Wiesen zum Wohl des Menschen
H. Eikamp

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Blühende Wiesen zum Wohl des Menschen 18.08.2016 12:08 Forum: Umwelt- / Naturschutz


Je mehr es wimmelt, kreucht und fleucht, desto besser für den Menschen, der von den vielfältigen, kostenlos erbrachten Dienstleistungen der Natur profitiert. Das ist das Ergebnis einer Studie von über 300 Forschenden unter anderem des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt. Ein artenreiches und von vielen Individuen aus allen Ebenen der Nahrungskette bevölkertes Ökosystem erbringt demnach die umfangreichsten Ökosystemdienstleistungen, berichtet das Team heute im Fachjournal „Nature“.
Besonders wichtig sei auch die Vielfalt der beim Menschen eher unbeliebter Insekten und die Vielfalt unscheinbarer Bodenorganismen. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit des Erhalts artenreicher Ökosysteme zum Wohl des Menschen.

Eine blühende Wiese – neben dem ästhetischen Wert dieser Ökosysteme erbringt die Natur auch jeden Tag handfeste, kostenlose Dienstleistungen für den Menschen. Dazu zählen unterstützende Leistungen wie beispielsweise die Bodenbildung, Versorgungsleistungen wie die Lebensmittelproduktion, Regulierungsleistungen wie Schädlingsbekämpfung und Klimaregulierung und kulturelle Leistungen wie beispielweise der Nutzen der Ökosysteme als Erholungsraum. Diese komplexen Ökosysteme setzen sich aus verschiedenen sogenannten trophischen Gruppen respektive Gliedern in der Nahrungskette zusammen. Welchen Einfluss die schwindende Artenvielfalt auf die Ökodienstleistungen hat, wurde bislang lediglich anhand einzelner leicht zu untersuchender trophischer Gruppen wie Pflanzen studiert.

Ein 300-köpfiges internationales Forscherteam um Dr. Santiago Soliveres von der Universität Bern hat daher erstmals alle Gruppen entlang einer Nahrungskette in einer natürlichen Graslandschaft untersucht. Sie sammelten dazu Daten zu insgesamt 4600 Tier- und Pflanzenarten aus neun Gruppen der
Nahrungskette; darunter auch zu bislang eher vernachlässigten Arten wie Mikroorganismen, die den Boden zersetzen und Abfallfressern wie Regenwürmern. Erhoben wurden die Daten als Teil eines von der Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Programms auf 150 Grünlandflächen quer durch Deutschland, den „Biodiversitätsexploratorien“, die die umfassendsten ökologischen Freilandversuchsflächen Europas darstellen.

Artenvielfalt innerhalb aller trophischer Gruppen notwendig
„Wie bei einem Puzzle haben wir uns ein zusammenhängendes Bild davon gemacht, wie bedeutsam einzelne trophische Gruppen für vierzehn von uns gemessene Ökosystemdienstleistungen sind. Jede Ökosystemdienstleistung ist demnach von mindestens drei Gruppen abhängig. Je vielfältiger die Arten innerhalb der Gruppe, desto zuverlässiger wird die Ökosystemdienstleistung erbracht. Außerdem beeinflusst jede einzelne Gruppe zumindest eine Ökosystemdienstleistung“, fasst Soliveres, Erstautor der Studie, die Ergebnisse zusammen.

Dr. Peter Manning vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum ergänzt: „Wir müssen also Artenreichtum in mindestens drei der untersuchten Gruppen der Nahrungskette sicherstellen. Es sind aber nicht immer die gleichen drei Gruppen, die für das Funktionieren einer individuellen Ökosystemdienstleitung maßgeblich sind. Deshalb muss der Artenreichtum in allen Gruppen der Nahrungskette erhalten bleiben, damit die Natur zuverlässig weiter für uns im Verborgenen ‚arbeitet‘ wie wir es gewohnt sind.“ Hohe Artenvielfalt über alle Gruppen hinweg ist besonders wichtig für regulierende Prozesse sowie kulturelle Dienstleistungen.

Die Wichtigkeit von „Schädlingen“
Die Studie zeigt zudem, wie wichtig auch vermeintliche Schädlinge und unscheinbare Dienstleister sind. Viele Insekten und Bodenorganismen spielen nämlich, neben Pflanzen, so die Studie, eine zentrale Rolle bei den Leistungen, die Natur für uns erbringt. „Pflanzen liefern Biomasse, die den Anfang der Nahrungskette bildet, aber Insekten wirken als Bestäuber und Bodenorganismen erhöhen durch Zersetzung und Rückhalt von chemischen Elementen wie Phosphor die Bodenfruchtbarkeit. Je mehr und je unterschiedlichere Individuen es besonders innerhalb dieser drei Gruppen gibt, desto positiver wirkt sich das auf alle Dienstleistungen aus“, erklärt Soliveres.
Häufig wird der Boden gedüngt, um die Bodenfruchtbarkeit und damit das Wachstum von Pflanzen zu erhöhen. Kurzfristig hilft Dünger zwar, wenn dabei aber die Artenvielfalt verringert wird, überwiegen die Nachteile. Eine hohe Artenvielfalt entlang der gesamten Nahrungskette zu erhalten, ist langfristig gesehen daher preiswerter und sinnvoller, als sie zu zerstören.

Bedeutung biologischer Vielfalt für Ökosystemdienstleistungen bisher unterschätzt.
„Wenn biologische Vielfalt rapide zerstört wird, welche Konsequenzen hat das für die Menschen? Welche Handlungsoptionen gibt es? Das ist bisher nicht umfassend genug erforscht und einer der Gründe, warum der internationale Biodiversitätsrat IPBES gegründet wurde“, führt Prof. Markus Fischer, Leiter des Forschungsprojektes vom Institut für Pflanzenwissenschaft der Universität Bern und Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum aus. Die beispielhafte Studie zeige auch, dass in der bisherigen Forschung, die nur auf einzelne trophische Gruppen fokussierte, die Bedeutung biologischer Vielfalt über alle Gruppen einer Nahrungskette hinweg unterschätzt worden sei: „Unser umfassendes Forschungsprogramm demonstriert, wie wichtig es ist, den Gesamtzusammenhang zu untersuchen und dass Handlungsbedarf zum Schutz der Ökosysteme besteht“, resümiert Fischer.

Abb.: Wiesen-Salbei (Salvia pratense) in einem Halbtrockenrasen im Untersuchungsgebiet Schorfheide (bzw genauer Schorfheide-Chorin), in Brandenburg. Halbtrockenrasen sind nährstoffarme Lebensräume, die sich durch eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten auszeichnen.
© WWU/Valentin Klaus.

Quelle: SMF
Thema: Methusalem-Kruste im Mittelmeer
H. Eikamp

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Methusalem-Kruste im Mittelmeer 16.08.2016 09:26 Forum: Geologie / Paläontologie


340 Millionen Jahre altes Gestein ist älteste Ozeankruste der Erde.

Altersrekord: Ein Geologe hat im Mittelmeer die älteste Ozeankruste der Erde entdeckt. Sie ist rund 340 Millionen Jahre alt und damit gut 100 Millionen Jahre älter als bisher bekannte ozeanische Krustenteile. Das Urzeit-Relikt liegt - versteckt unter kilometerdickem Sediment - im Herodot-Becken zwischen Zypern und der ägyptischen Küste. Aufgespürt und datiert hat der Forscher die alte Ozeankruste mithilfe von Schwerefeld- und Magnet-Messungen, wie er im Fachmagazin "Nature Geoscience" berichtet.

Die echten Methusalems der Erdkruste liegen im Inneren der Kontinente: Die dicken Festlandssockel aus Granitgesteinen können bis zu vier Milliarden Jahre alt sein. Anders dagegen die ozeanische Kruste: Sie unterliegt einem ständigen Recyclingprozess. Entlang der mittelozeanischen Rücken wird sie neu gebildet, an den Subduktionszonen entlang der Küste dagegen wieder in die Tiefe gedrückt und aufgeschmolzen.

Spurensuche im Herodot-Becken
Die Ozeankruste ist daher vergleichsweise jung. "Reste alter, rund 200 Millionen Jahre alter Ozeane finden sich heute fast nur noch als Fragmente an Land", erklärt Roi Granot von der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva. "An ihrer ursprünglichen Position hat man bisher noch nie Relikte alter Ozeankruste entdeckt." Das jedoch hat sich nun geändert.

Granot ist es gelungen, einen Rest urzeitlicher Ozeankruste im Mittelmeer aufzuspüren. Für seine Studie wertete der Geologe magnetische Krustenprofile aus, die zwischen 2012 und 2014 von einem Forschungsschiff im östlichen Mittelmeer aufgezeichnet wurden. Hier liegt das sogenannte Herodot-Becken, eine Region, die schon länger im Verdacht steht, älter als die restlichen Krustenteile zu sein. Zusätzlich analysierte der Forscher Satellitendaten zu Schwerefeld-Anomalien dieses Gebiets.

Verräterische Magnetstreifen
Dabei zeigte sich etwas Auffälliges: "Ich habe eine 250 Kilometer lange Sequenz von streifenförmigen magnetischen Anomalien identifiziert", berichtet Granot. "Das spricht dafür, dass die Kruste im Herodot-Becken ozeanisch ist." Denn wenn neue Kruste entsteht, konserviert die erstarrende Gesteinsschmelze die gerade vorherrschende Polung des Erdmagnetfelds.

Spannend wurde es, als Granot das Magnetstreifenmuster datierte. Weil bekannt ist, wann und in welchen Intervallen sich das Erdmagnetfeld umpolte, kann man aus der Abfolge der Magnetstreifen entnehmen, wann die Kruste gebildet wurde. Im Falle der ozeanischen Kruste unter dem Herodot-Becken kommt Granot auf einen Wert von rund 340 Millionen Jahren.

Älteste Ozeankruste überhaupt
Damit jedoch ist das Gestein unter dem Herodot-Becken die bisher älteste bekannte Ozeankruste überhaupt. Dieses Stück Meeresgrund im Mittelmeer existierte damit schon lange, bevor Atlantik und Indischer Ozean entstanden. "Das hat bedeutende Auswirkungen für unser Verständnis der Plattentektonik im Karbonzeitalter", erklärt Granot.

Überraschend ist der Fund aber nicht nur wegen des hohen Alters der Ozeankruste, sondern auch wegen der Lage dieses Urzeit-Relikts: Gerade die Mittelmeerregion hat im Laufe der Erdgeschichte ein tektonisches Hin und Her erlebt, der den Untergrund in ein Mosaik verschiedenster Krustenteile und Plattenfragmente verwandelte. Denn hier brach erst der Superkontinent Pangäa auseinander, dann kollidierten Afrikanische und Eurasische Erdplatte.
Brach Pangäa früher auseinander?

Die Kruste im Herodot-Becken ist vermutlich ein Relikt des urzeitlichen Tethysmeeres, wie Granot erklärt. Dieser Mittelmeer-Vorläufer bildete sich, als Pangäa auseinanderbrachen. Stimmt jedoch Granots Datierung der Herodot-Kruste, dann muss sich das Tethysmeer 50 Millionen Jahre früher aufgetan haben als bisher angenommen. "Das wiederum impliziert, dass der Pangäa-Superkontinent bereits wieder zu zerfallen begann, noch bevor er vor 320 Millionen Jahren seine Verschmelzung abgeschlossen hatte", konstatiert Granot.

Die alte Ozeankruste unter dem Herodot-Becken beeinflusst aber auch heutige tektonische Vorgänge, wie der Forscher erklärt. Denn der Übergang von der dünnen, gedehnten Ozeankruste im Levante-Becken zur relativ starken Kruste des Herodot-Beckens könnte erklären, warum in dieser Zone vermehrt Erdbeben auftreten. (Nature Geoscience, 2016; doi: 10.1038/ngeo2784)

(Nature Group, 16.08.2016 - NPO)

Abb.: Im Herodot-Becken im östlichen Mittelmeer liegt die bislang älteste bekannte Ozeankruste der Erde. © NASA
Thema: Spektakulärer Grabfund auf Zypern
H. Eikamp

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Spektakulärer Grabfund auf Zypern 15.08.2016 08:56 Forum: Geschichte Kretas / Archäologie


Bronzezeit-Grab enthält überraschend reiche Beigaben aus Gold, Edelsteinen und Keramik.

Ein echter Grabschatz: Bei Ausgrabungen auf Zypern haben Archäologen ein Bronzezeit-Grab mit spektakulären Grabbeigaben entdeckt. Die 17 Toten wurden zusammen mit goldenem Schmuck, Perlen, einem Bronzedolch, vergoldeten Skarabäen aus Ägypten und über 100 Keramikgefäßen begraben. Dieser Fund demonstriert den Reichtum der damaligen Bewohner von Hala Sultan Tekke und ihre weitreichenden Handelsbeziehungen. Er wirft aber auch Fragen auf.

Die bronzezeitliche Stadt Hala Sultan Tekke liegt nahe des heutigen Flughafens von Larnaca auf Zypern. Ausgrabungen der letzten Jahre enthüllen, dass diese Stadt in der Zeit von 1600 bis 1150 vor Christus überraschend groß und wohlhabend war: Sie erstreckte sich über 50 Hektar und umfasste sowohl Wohnviertel der Eliten als auch Kupferwerkstätten. Objekte aus Ägypten, Mykene und aus der Levante zeigen zudem, dass die Menschen dort bereits über weitreichende Handelsbeziehungen verfügten.

Aufgespürt per Bodenradar
Jetzt haben Peter Fischer von der Universität Göteborg und sein Grabungsteam einen weiteren spektakulären Fund in Hala Sultan Tekke gemacht: "Außerhalb der Stadt haben wir ein unglaublich reiches Grab entdeckt – eines der reichsten in ganz Zypern aus dieser Periode", berichtet der Archäologe. Aufgespürt haben die Forscher dieses Grab mit Hilfe eines Bodenradars, das Hohlräume im Untergrund anzeigt.

Neben zahlreichen Brunnen und Gruben enthüllte diese Radarmessung auch einen rechteckigen Hohlraum von vier mal drei Metern Größe – ein Grab. "Das Grab scheint ein Familiengrab zu sein, für acht Kinder zwischen fünf und zehn Jahren und neun Erwachsenen von bis zu 40 Jahren", berichtet Fischer. Datierungen ergaben, dass die Toten etwa um 1500 bis 1400 vor Christus gestorben und begraben worden sein müssen.

Grab ohne Stadt
"Die Tatsache, dass wir dieses Grab aus der späten Bronzezeit an dieser Stelle gefunden haben, ist ziemlich sensationell", sagt Fischer. "Denn normalerweise begruben die Menschen dieser Zeit ihre Toten innerhalb der Siedlungen."

Seltsam auch: Die bisher ausgegrabenen Gebäude von Hala Sultan Tekke sind alle älter oder jünger als das Grab. Relikte aus der Siedlungsphase, aus der Toten im Grab stammen, wurde noch nicht gefunden. "Angesichts der Grabbeigaben muss es damals eine wohlhabende Stadt gewesen sein", sagt Fischer. "Aber wahrscheinlich liegen ihre Überreste näher am Grab, in einem Gebiet, das wir noch nicht erkundet haben."

Gold, Edelsteine und Keramik
Das Spannendste an diesem Grab sind jedoch die kostbaren Grabbeigaben: Die Archäologen fanden mehrere goldene Schmuckstücke, darunter ein Diadem, Perlen, Ohrringe und vergoldete Skarabäen aus Ägypten. Einer der Skarabäen trägt die Hieroglyphen "Men-kheper-re" neben dem Bild eines Pharaos. Die Forscher vermuten, dass sich die Inschrift auf Thutmosis III. bezieht – dem Pharao, der weite Teile des Nahen Ostens für Ägypten eroberte.

Außerdem waren unter den Grabbeigaben zahlreiche Edelsteine, ein Bronzedolch, fünf Siegel und mehr als 140 aufwändig verzierte Keramikgefäße. "Diese Keramik liefert uns eine Menge an archäologischer Information", erklärt Fischer. Die Motive – Menschen, religiöse Symbole und Tiere - verraten, dass einige der Gefäße aus Griechenland und Kreta importiert wurden, andere dagegen stammen aus Anatolien.

Schwunghafter Fernhandel
Das Geld für diese hochwertigen und kostbaren Importwaren erhielten die Bewohner von Hala Sultan Tekke wahrscheinlich unter anderem durch den Handel mit aufwändig verarbeiteten und gefärbten Textilien. "Wir haben in der Stadt Belege für die Herstellung und das Färben solcher Stoffe in großem Stil gefunden", berichtet Fischer. "Diese Produkte nutzten die Menschen dann im Handel mit den Hochkulturen in Ägypten, Anatolien, der Levante, Mesopotamien, Kreta und Griechenland."

Noch haben die Ausgrabungen in Hala Sultan Tekke erst einen Bruchteil der einstigen Stadt aufgedeckt. "Im Frühjahr 2017 werden wir weitere Teile der Stadt und des Gebiets um das Grab herum ausgraben", sagt Fischer. "Weil beide Gebiete von landwirtschaftlicher Aktivität bedroht sind, müssen wir relativ schnell handeln, bevor dieses kulturelle Erbe für immer verloren geht."

(Universität Göteborg, 15.08.2016 - NPO)

Abb.: Dieser vergoldete Skarabäus trägt die Kartusche von Thutmosis III. © Peter Fischer
Thema: 298 Millionen Jahre alte Wurzel ausgegraben
H. Eikamp

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298 Millionen Jahre alte Wurzel ausgegraben 11.08.2016 08:48 Forum: Pflanzen


Einzigartiger Fund in Thüringen

Fossilien öffnen das Fenster in die Vergangenheit der Erde und ihrer Lebewesen. Im Thüringer Wald finden Wissenschaftler jetzt eine fast 300 Millionen Jahre alte Versteinerung. Sollten sie auch auf Ursaurier-Reste stoße
Eine 298 Millionen alte versteinerte Wurzel eines riesigen Schachtelhalms haben Wissenschaftler bei einer Grabung im Thüringer Wald freigelegt. "Die fossile Wurzel des Schachtelhalms mit einem Durchmesser von 70 bis 80 Zentimetern ist weltweit bisher einzigartig", sagte der Paläontologe Ralf Werneburg. Bisher sei nicht bekannt gewesen, welche Wurzeln diese Pflanze hatte und wie sie funktionierten. Der Fund werde nun präpariert, um ihn wissenschaftlich zu untersuchen.

Seit zehn Tagen gräbt der Direktor des Naturhistorischen Museums Schleusingen mit Dozenten und Studenten der TU Bergakademie Freiberg bei Ilmenau nach Fossilien von Pflanzen und Tieren aus der Zeit des Perm, die vor rund 300 Millionen Jahren begann. Mit Spitzhacke, Schaufel, Vorschlaghammer, Meißel, Hammer, Spachtel und Besen legten sie an einem Steilhang auch Fossilien von Baumfarnwedeln frei.

Die ein bis zwei Zentimeter langen Wedel haben laut Werneburg im sogenannten Rotliegend-Gestein eine ganze Schicht gebildet. Die Nachfahren dieser imposanten Baumfarne seien heute noch in Neuseeland beheimatet. Zu den Funden gehören auch eine vollständig erhaltene Spinne sowie eine imposante Schicht mit aufklappbaren Muschelschalen. "Wir hoffen noch, auf Ursaurier-Reste zu stoßen", sagte Werneburg.

Das wegen seiner roten Färbung Rotliegend genannte Gestein entstand aus Flussablagerungen von Pflanzen- und Tierresten, die durch den immensen Druck darüber liegender Erde versteinerten.

Quelle: n-tv.de , asc/dpa
Thema: Forscher finden einzigartigen Meteoriten
H. Eikamp

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Forscher finden einzigartigen Meteoriten 10.08.2016 09:20 Forum: Geologie / Paläontologie


In Schweden entdeckter "fossiler" Meteorit ähnelt keinem bekannten Meteoritentyp.

Einzigartiger Fund: In einem schwedischen Steinbruch haben Forscher einen völlig neuen Meteoritentyp entdeckt. Seine Zusammensetzung unterscheidet den 470 Millionen Jahre alten Meteoriten von allen bisher bekannten, wie Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" berichten. Sie vermuten: Der Fund könnte das Fragment einer folgenschweren Kollision im Asteroidengürtel sein.

Meteoriten gibt es auf der Erde reichlich – und ständig fallen neue nach. 86 Prozent von ihnen gehören zu den Chondriten, Gesteinsbrocken mit kugelförmigen Silikateinschlüssen. Schon vor einigen Jahrzehnten fiel Forschern jedoch bei einer eisenarmen Untergruppe der Chondriten etwas Seltsames auf: Auffallend viele dieser L-Chondriten sind rund 500 Millionen Jahre alt – und damit weit jünger als die meisten anderen Meteoritentypen, die aus der Frühzeit des Sonnensystems stammen.

Wer war der Kollisionspartner?
"Diese Meteoriten scheinen zu jener Zeit ein massives Kollisionsereignis durchgemacht zu haben", erklären Birger Schmitz von der Universität Lund in Schweden und seine Kollegen. Bei dieser Kollision im Asteroidengürtel zerbrach wahrscheinlich ein größerer Himmelskörper. Seine Fragmente wurden aus dem Gürtel geschleudert und schlugen auf der Erde ein.

"In marinen Kalksteinschichten, die sich vor rund 470 Millionen Jahren bildeten, finden sich Beweise für einen 100-fachen Anstieg von L-Chondriten und Mikrometeoriten", berichten die Forscher. Rätselhaft blieb aber bisher, mit welchem Asteroiden der Mutterbrocken dieser Meteoriten zusammengestoßen sein könnte.

Auffällige Übereinstimmung.
Das allererste Relikt dieses unbekannten Kollisionspartners könnten Schmitz und seine Kollegen nun identifiziert haben. Es handelt sich um einen acht Zentimeter langen und 6,5 Zentimeter breiten Gesteinsbrocken, den die Forscher im Kalkstein des Thorsberg Steinbruchs in Schweden fanden. Datierungen der Schicht ergaben, dass der Meteorit vor rund 470 Millionen Jahren ins Meer gestürzt sein muss und dann in den Meeresboden eingebettet wurde.

Der Österplana 65 getaufte Meteorit schlug damit nahezu zeitgleich wie die zahlreichen bekannten L-Chondriten ein, wie die Wissenschaftler erklären. Isotopen-Analysen bestätigten dies: Der Brocken entstand bis auf eine Million Jahre genau zur Zeit der mutmaßlichen Kollision im All. Doch aus dem "Mutterbrocken" der L-Chondriten kann Österplana 65 nicht stammen, wie nähere Analysen der Chrom- und Sauerstoff-Isotope zeigten.

Einzigartig und unbekannt.
Stattdessen repräsentiert der neuentdeckte Meteorit etwas bisher völlig Unbekanntes: "Österplana 65 hat keine dokumentierte Entsprechung unter den bekannten Meteoriten, die zu jener Zeit auf die Erde fielen", berichten Schmitz und seine Kollegen. Und auch in alle anderen bekannten Meteoritentypen passt der neue Fund nicht hinein.

"Mineralogische und petrologische Daten stützen die Schlussfolgerung, dass Österplana 65 einen bisher völlig unbekannten Typ von Meteorit repräsentiert", konstatieren die Forscher. Der Gesteinsbrocken ist damit einzigartig – und hebt sich von allen bekannten "Himmelsboten" ab.

Ein "ausgestorbener" Meteorit?
Nach Ansicht der Forscher lässt dies zwei Schlüsse zu: Zum einen könnte es noch vor rund 500 Millionen Jahren - und damit relativ spät in der Geschichte des Sonnensystems – noch eine viel größere Vielfalt von Meteoriten und Vorläufer-Objekten im Asteroidengürtel gegeben haben als heute. Einige dieser Brocken wurden dann bei Kollisionen offenbar so gründlich zerstört, dass heute kaum mehr Bruchstücke von ihnen übrig sind, die als Meteoriten die Erde treffen könnten.

"Es könnte sich hier um den ersten dokumentierten Fall eines 'ausgestorbenen' Meteoriten handeln", erklären die Wissenschaftler. "Dieser Meteoritentyp fällt heute nicht mehr auf die Erde, weil sein Ursprungs-Himmelskörper durch Kollisionen komplett zerstört wurde."

Zeuge der folgenreichen Kollision?
Noch viel spannender aber ist der zweite Schluss, den die Forscher aus den Merkmalen von Österplana 65 ziehen: Der Meteorit könnte ein Trümmerstück des mysteriösen Asteroiden sein, der vor rund 470 Millionen Jahren mit dem "Mutterköper" der L-Chondriten kollidierte. Dafür sprechen sowohl der Zeitpunkt seiner Entstehung als auch die Schockspuren in den Gesteinseinschlüssen von Österplana 65, wie die Wissenschaftler berichten.

"Es ist möglich, dass die Kollision zwischen dem L-Chondriten-Vorläufer und dem Österplana 65-Vorläufer letzteren fast komplett zerstörte", so Schmitz und seine Kollegen. "Während der L-Chondriten-Vorläufer in unzählige kleinere Objekte zerfiel, die seither als Meteoriten fallen, blieb von seinem Kollisionspartner dafür nicht genug übrig." Österplana 65 könnte damit eines der letzten Relikte dieses Asteroiden sein. (Nature Communications, 2016; doi: 10.1038/ncomms11851)

(Nature, 15.06.2016 - NPO)

Abb.: Der neu entdeckte Meteorit (dunkelgrau), eingebettet in 470 Millionen Jahre alten Kalkstein.
© Birger Schmitz
Thema: Infomails 2016
H. Eikamp

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Fortsetzung Info-Mails 01.08.2016 17:18 Forum: NAOM / NLUK-Informationen


Fortsetzung Info-Mails

English version of 7-2016 added on the 4th of August 2016

English version of 8-2016 added on the 2nd of October 2016
Thema: Rätsel-Tier verblüfft Meeresbiologen
H. Eikamp

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Rätsel-Tier verblüfft Meeresbiologen 01.08.2016 09:05 Forum: Tiere


Lilafarbene Lappenkugel vom Meeresgrund ähnelt keinem bekannten Tier

Es ist lila und ähnelt einer Hortensienblüte – ist aber ein Tier und lebt am Grund des Pazifiks. Dieser seltsam rundlich-gelappte Blob gibt Meeresbiologen zurzeit Rätsel auf. Denn das vor der Küste Kaliforniens entdeckte Wesen ähnelt keinem bekannten Meerestier. Worum es sich bei diesem Fund handelt, versuchen nun US-Taxonomen zu enträtseln. Die Entdeckung dieses "Aliens" im küstennahen Ozean demonstriert erneut, wie unerforscht die Tiefen der Meere noch immer sind.

Der Grund der Ozeane gilt nicht umsonst als kaum erforscht: Immer wieder stoßen Meeresbiologen in den Tiefen der Meere auf unbekannte und ungewöhnliche Kreaturen. So lebt vor der Küste von Nicaragua ein Oktopus, der sich völlig anders verhält als andere Kraken, in der Tiefsee gibt es pilzförmige Wesen, die die Biologen bis heute nicht einer Tiergruppe zuordnen können und eine vermeintliche Seeanemone entpuppte sich als völlig neue Ordnung von Meerestieren.

"Ich bin ratlos!"
Die jüngste Überraschung haben Meeresbiologen an Bord des Forschungsschiffs Nautilus erlebt. Unterwegs vor der Küste Kaliforniens, haben sie in den letzten Wochen den Meeresgrund im Channel Islands National Marine Sanctuary mit Hilfe von Messinstrumenten und Tauchrobotern kartiert. Als die Forscher sich die Videoaufnahmen anschauten, die die Roboterkamera vom Meeresgrund in rund 1.600 Metern Tiefe machte, sahen sie plötzlich etwas Merkwürdiges.

Im Bild der Kamera erschien nach einigen kleinen Oktopussen und Krebsen ein knall-violettes, rundliches Wesen, das über und über mit lappigen Auswölbungen bedeckt ist. "Oh, was ist das denn", hört man eine der Forscherinnen ausrufen. Es setzt ein wildes Raten ein: Könnte es sich um eine Seescheide handeln? Oder ein Manteltier? "Ich bin ratlos." Diese Kreatur ähnelt auf den ersten Blick keinem bekannten Meerestier und lässt sich auch nicht ohne Weiteres einer Gruppe zuordnen.

Fast-Attacke eines Krebses
Noch während die Meeresbiologen darüber beraten, ob der Tauchroboter das seltsame Wesen einsammeln und an die Oberfläche bringen soll, nähert sich ein großer, stacheliger Krebs dem lila Blob und scheint es fressen zu wollen. Doch glücklicherweise kommt es nicht dazu. Das etwa fünf Zentimeter große Rätseltier wird mit dem Sauger des Tauchroboters geborgen und auf das Forschungsschiff gebracht.

Hier wartet die nächste Überraschung: "Nach dem Bergen begann dieses Tier sich auseinander zu falten und enthüllte nun zwei klar erkennbaren Auswölbungen", berichten die Forscher des Nautilus-Projekts. Worum es sich aber handelt, klärt sich auch dabei nicht. Deshalb haben sie ihr Rätseltier nun an Taxonomie-Experten am Harvard Museum of Comparative Zoology geschickt, in der Hoffnung, dass diese herausfinden, welcher Tiergruppe das lila Wesen angehört.

Ist es eine Nacktschnecke?
Während das Rätseltier noch untersucht wird, haben auch die Nautilus-Forscher erste Vermutungen: "Wir glauben, dass es sich um einen Pleurobranchier handeln könnte, einen engen Verwandten der Nacktkiemer", erklären sie. Diese sogenannte Nudibranchia sind eine Familie von marinen Nacktschnecken, die für ihre ungewöhnlichen Färbungen und Formen bekannt sind.

Allerdings: "Keine der bisher aus der kalifornischen Tiefsee bekannten Arten der Pleurobranchier ist violett ", erklärt Susan Poulton, Sprecherin der E/V Nautilus Expedition. Ob es sich um eine ganz neue, zuvor unbekannte Art handelt, oder ob es nur eine Nacktschneckenart ist, die bisher in dieser Meeresgegend unbekannt war, muss sich nun zeigen. Bis jedoch die Taxonomen definitive Antworten haben, kann es noch einige Monate dauern.

(E/V Nautilus Expedition, 01.08.2016 - NPO)

Abb.:Eine lilafarbene Kugel vom Meeresgrund des Pazifik: Was dies hier für ein Tier ist, bleibt bisher rätselhaft. © E/V Nautilus Expedition Zoom
Thema: Winziger Krebs mit großem Namen
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Winziger Krebs mit großem Namen 29.07.2016 11:49 Forum: Tiere


Senckenberg-Wissenschaftler haben im Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer zwei neue Krebsarten entdeckt. Die Tiere wurden während zwei Expeditionen aus Tiefen zwischen 522 und 1162 Metern aus dem Ozean geborgen und als neue Arten der Gattung Munidopsis beschrieben. Eine der neuen Krebsarten wurde im Gedenken an den und zu Ehren des verstorbenen Senckenberger Meeresforscher und Crustaceenexperten Professor Michael Türkay benannt. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Zootaxa“.

Der Springkrebs ist nur etwa 7 Millimeter groß, hat einen durchscheinend weiß-rosa Panzer und fühlt sich in Wassertiefen zwischen 539 und 578 Metern wohl – bisher lebte er dort unentdeckt und namenlos. „Das hat sich mit unserer Expedition im Jahr 2012 geändert. Während dieser haben wir den winzigen Krebs – und einige weitere Arten der Gattung Munidopsis – aus dem Wasser geholt“, erklärt Dr. Lydia Beuck von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven.
Eigentlich war die Meeresbiologin – gemeinsam mit Professor André Freiwald, Abteilungsleiter für Meeresforschung – zur Erforschung von Kaltwasserkorallen in See gestochen. „Die von uns während der Expeditionen mit den Forschungsschiffen SONNE und Maria S. Merian gefangenen Krebse leben teilweise in den selben Habitaten wie die Kaltwasserkorallen, die zu unserem Forschungsschwerpunkt gehören. Und was man fängt, wird auch untersucht“, erläutert Beuck.

Insgesamt fünf verschiedene Springkrebs-Arten konnte das Wissenschaftler-Team bestimmen – zwei Arten waren bisher noch unbekannt und wurden neu beschrieben. „Eine der neuen Arten – Munidopsis tuerkayi – haben wir nach unseren guten Freund und Kollegen Professor Michael Türkay benannt“, fügt Freiwald hinzu.

Michael Türkay war im September vergangenen Jahres im Alter von nur 67 Jahren verstorben. Seine Senckenberg-Laufbahn begann im Alter von 16 Jahren als freier Mitarbeiter der Crustaceensektion. Nach dem Abschluss seines Biologie-Studiums war er ab 1976 als Wissenschaftlicher Assistent in der Sektion Crustaceen tätig; nach seiner Promotion 1983 wurde er Kustos und Leiter dieser Sektion. Seit dem Jahr 1989 leitete er die Abteilung Marine Zoologie, ein Amt das er bis zum Eintritt in den Ruhestand im Juni 2013 innehatte und welches er kommissarisch noch bis Ende 2014 weiterführte. Über viele Jahre war er Leiter der Senckenberg Schule sowie Mitglied im Senckenberg-Direktorium.

Neue Tier- oder Pflanzenarten erhalten ihren wissenschaftlichen Namen von den Forschern, die sie erstmals detailliert beschreiben. Der Name benennt, meist in lateinischer oder griechischer Sprache, die Gattung und die Art. Der Gattungsname ist dabei festgelegt, der Artname dagegen frei wählbar. Im Rahmen des BIOPAT-Programms (www.biopat.de) können die auch die Namen von Privatpersonen – gegen eine Spende –„verewigt“ werden, indem neu entdeckte Tier- oder Pflanzenart nach dem Spender getauft werden.
„Professor Türkays wissenschaftliche Begeisterung galt den Krebstieren und der marinen Zoologie – zahlreiche Erstbeschreibungen und hunderte wissenschaftliche Veröffentlichungen belegen seine außerordentliche Kompetenz auf diesem Gebiet. Ich denke, er hätte sich über unsere Namensgebung des kleinen Springkrebses gefreut“, schließt Beuck.

Abb.: Winziger Springkrebs mit großem Namen: Munidopsis tuerkayi. © Senckenberg
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